Das Publikum hatte seinen Spaß an den wahren Szenen einer Ehe
Von Kathrin Staffel
Bad Homburg. In einer Reihe heiterer Episoden beschreibt Rudolf Geiser (Jahrgang 1956) die „Wahren Szenen einer Ehe“, die bei der „Weltpremiere“ der Bad Homburger Volksbühne in der Englischen Kirche den ungeteilten Beifall der Zuschauer fanden. So manche Sie und mancher Er erkannte sich darin wieder, was das Vergnügen verdoppelt hat.
Das kinderlose, zehn Jahre lang verheiratete Paar ist intelligent und zivilisiert. Man kennt die Schwächen des Partners, ärgert sich über gewisse Eigenschaften und Gewohnheiten, wundert sich über plötzliche neue Einfälle. Man schreit aber nicht herum oder gerät unnötig in Zorn. Mit der eher lässigen Frage „Das meinst Du doch nicht im Ernst?“ gibt sie ihm ihre Verwunderung zu verstehen. Seine Antwort: „Was denn, mein Schatz?“ offenbart ihn als Schlitzohr, das genau weiß, worum es geht, aber lieber den Unwissenden spielt.
Es waren Paraderollen für Stefanie Mau und Olaf Pessier, die in dieser Aufführung der Volksbühne unter der Regie von Rainer Maria Ehrhardt sehr sicher und sehr überzeugend agiert haben.
Am Spiel auf der Bühne im kombinierten Wohn- und Esszimmer des Paares sind außerdem noch ihre Schwiegermutter und sein bester Freund beteiligt. Diese Beiden sitzen vergnügt im Golfhaus des Bad Homburger Kurparks und unterhalten sich - selbstverständlich - auch über das Paar; eine Gelegenheit, die Schwiegermütterchen gern zu ein paar spitzen Bemerkungen über die Schwiegertochter nutzt. Mit einem Gläschen Cognac gelingt es dem guten Freund jedoch jedes Mal, die gute Frau zu besänftigen. Diese Szenen, locker interpretiert von Anna Altheim und Norbert Nasse, wurden als Videoaufzeichnung auf der Leinwand eingeblendet. Schließlich war aus dem 0ff noch die Stimme eines Sprechers zu hören, der sachlich-intelligente Kommentare zum Geschehen beisteuert: Ein raffiniertes, quasi dreidimensionales Spiel also, das die vielen angesprochenen und „im Trend“ liegenden Themen vertieft hat, ohne langweilig zu sein.
Man muss es dem Autor lassen: Er kennt sich gut aus im partnerschaftlichen Miteinander. Es ist nicht bekannt, ob er aus dem eigenen Erfahrungsschatz geschöpft hat oder einfach nur ein guter Beobachter ist. Jedenfalls kann er mit dieser Welturaufführung rundherum zufrieden sein. Das Publikum war es auch.
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