Das schrieb die Presse über:
"Wahre Szenen einer Ehe"
Frankfurter Neue Presse / Taunus-Zeitung (Printausgabe vom 16.10.2006)
Die Tanuszeitung am 23.10.2006:

Mit Charme und spitzer Zunge

Bad Homburg. Die Volksbühne ist immer wieder für Überraschungen gut. Im 80. Jahr ihres Bestehens prä­sentierte die Truppe in Zusammen­arbeit mit der Stadt eine Sonderproduktion im Kulturzentrum Eng­lische Kirche. Mit "Wahre Szenen ei­ner Ehe" von Rudolf Geiser servier­ten die Mitglieder des Amateurtheaters gleich mehrere Novitäten. Erstmals übernahm Rainer Maria Ehrhardt die Regie, erstmals wurde ein technischer Kniff eingesetzt und erstmals kamen die komödian­tischen Sketche von Rudolf Geiser auf die Bühne. Um es vorwegzu­nehmen: Selten hat man sich so köstlich amüsiert, und selten konn­te man ein Theaterstück mit solch geschliffener Wortwahl erleben.

"Das ist jetzt nicht dein Ernst", leitete die beste Ehefrau von allen die einzelnen Szenen ein, worauf­hin er naiv fragte: "Was denn, mein Schatz?" Ob die Wahl des neuen Autos, bei der sie mit dem Cabrio gegen seinen Wunsch-Van die Ober­hand behält, die Verbannung des Fernsehers in den Keller wegen ne­gativer Energie oder die unterschiedlichen Auffassungen von Kunst — Geschmäcker und Ansich­ten sind eben bekanntlich verschie­den. Ihr Versuch, mit Tantra-Sex wieder Leben ins Ehebett zu brin­gen, oder sein Testament, das er we­gen einer Erkältung aufsetzt — viele Themen aus dem Alltag wurden brillant auf den Punkt gebracht. Die Wortwahl war voller Ironie, Humor und Geistesblitz.

Stefanie Mau war eine exzellen­te Gattin, die ihre Interessen mit Charme und spitzer Zunge durch­setzt. Olaf Pessler konnte ebenso kindlich die männlichen Eigenar­ten vortragen, um sich dann mit zärtli­cher Hingabe den Waffen sei­ner geliebten Frau zu beugen. Anna Altheim als ihre Schwiegermutter und Norbert Nasse als sein Freund würzten auf der Leinwand in auf Video eingespielten Szenen das Ge­schehen mit Kommentaren. Es war ein köstliches Vergnügen, bei dem Geist und Zwerchfell auf ihre Kosten kamen. (min)

Die "Homburger Woche" schrieb am 26.10.06:

Das Publikum hatte seinen Spaß an den wahren Szenen einer Ehe

Von Kathrin Staffel

Bad Homburg. In einer Reihe heiterer Episoden beschreibt Rudolf Geiser (Jahrgang 1956) die „Wahren Szenen einer Ehe“, die bei der „Weltpremiere“ der Bad Homburger Volksbühne in der Englischen Kirche den ungeteilten Beifall der Zuschauer fanden. So manche Sie und mancher Er erkannte sich darin wieder, was das Vergnügen verdoppelt hat.

Das kinderlose, zehn Jahre lang verheiratete Paar ist intelligent und zivilisiert. Man kennt die Schwächen des Partners, ärgert sich über gewisse Eigenschaften und Gewohnheiten, wundert sich über plötzliche neue Einfälle. Man schreit aber nicht herum oder gerät unnötig in Zorn. Mit der eher lässigen Frage „Das meinst Du doch nicht im Ernst?“ gibt sie ihm ihre Verwunderung zu verstehen. Seine Antwort: „Was denn, mein Schatz?“ offenbart ihn als Schlitzohr, das genau weiß, worum es geht, aber lieber den Unwissenden spielt.

Es waren Paraderollen für Stefanie Mau und Olaf Pessier, die in dieser Aufführung der Volksbühne unter der Regie von Rainer Maria Ehrhardt sehr sicher und sehr überzeugend agiert haben.

Am Spiel auf der Bühne im kombinierten Wohn- und Esszimmer des Paares sind außerdem noch ihre Schwiegermutter und sein bester Freund beteiligt. Diese Beiden sitzen vergnügt im Golfhaus des Bad Homburger Kurparks und unterhalten sich - selbstverständlich - auch über das Paar; eine Gelegenheit, die Schwiegermütterchen gern zu ein paar spitzen Bemerkungen über die Schwiegertochter nutzt. Mit einem Gläschen Cognac gelingt es dem guten Freund jedoch jedes Mal, die gute Frau zu besänftigen. Diese Szenen, locker interpretiert von Anna Altheim und Norbert Nasse, wurden als Videoaufzeichnung auf der Leinwand eingeblendet. Schließlich war aus dem 0ff noch die Stimme eines Sprechers zu hören, der sachlich-intelligente Kommentare zum Geschehen beisteuert: Ein raffiniertes, quasi dreidimensionales Spiel also, das die vielen angesprochenen und „im Trend“ liegenden Themen vertieft hat, ohne langweilig zu sein.

Man muss es dem Autor lassen: Er kennt sich gut aus im partnerschaftlichen Miteinander. Es ist nicht bekannt, ob er aus dem eigenen Erfahrungsschatz geschöpft hat oder einfach nur ein guter Beobachter ist. Jedenfalls kann er mit dieser Welturaufführung rundherum zufrieden sein. Das Publikum war es auch.

Zur Aufführung war auch der Autor des Stückes, Rudolf Geiser, anwesend. Hier sein Eindruck:
Herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank, das war eine wirklich gelungene Inszenierung mit frischen Einfällen und hervorragenden Akteuren. Monika und ich (und sicher nicht nur wir) fühlten uns bestens unterhalten. Was Sie da auf die Bühne gebracht haben: Respekt! War Olaf Pessler eigentlich bewusst, wieviel komisches Potenzial in ihm steckt? Für uns war er die Überraschung des Abends. Einfach herrlich, mit welchen Ausdrucksmitteln er den Charakter des Ehemannes auf den Punkt brachte, wobei Stefanie Mau ihm in nichts nachstand. Sie überzeugte mich besonders am Samstag, wo Mann und Frau sich als die von mir intendierten, ebenbürtigen Partner begegneten.
 
Köstlich und mutig auch die Videosequenzen, die mit Anna Altheim, Norbert Nasse und nicht zuletzt Detlev Byns punktgenau besetzt waren. Den beiden Herren konnte ich noch persönlich gratulieren, Anna Altheim ist mir irgendwie "entwischt". Würden Sie ihr bitte ausrichten, dass Isolde Kastner nicht besser hätte getroffen werden können? Danke.
 
Noch einmal herzliche Grüße an das gesamte Team der Volksbühne und Chapeau für die tolle Leistung.

Monika und Rudolf Geiser

Suchen: