Das schrieb die Presse über:
"Das Haus in Montevideo"
Frankfurter Neue Presse / Taunus-Zeitung (Printausgabe vom 18.5.2007)
Die Hand bitte langsam schütteln!


Bad Homburg. „Ich habe eine Strafe verdient und bitte um eine gehörige solche!“ Atlanta hat in der Komödie „Das Haus in Montevideo“ von Curt Goetz, die von der Bad Homburger Volksbühne präsentiert wird, einen schweren Stand. Einerseits soll sie ein stattliches Erbe antreten, muss dafür aber ein uneheliches Kind zur Welt bringen. Auch für ihren Vater, Professor Traugott Hermann Nägler, sehen die Zeiten nicht eben rosig aus. Voller Stolz führt er dem Herrn Pastor seine zwölfköpfige Kinderschar vor, die scheinbar aufs Wort gehorcht, gottlob aber auch durchaus menschliche Eigenschaften aufweist. Doch dann bricht seine moralisch strenge Welt in sich zusammen. Denn an das Erbe eines Hauses in Montevideo ist eben jenes uneheliche Kind geknüpft. Verzweifelt lotet er zwei widerstreitende Eigenschaften aus: Moral und Habgier. Wird er sich dazu entschließen, seiner Tochter ein eindeutiges, unehrenhaftes Angebot zu machen oder obsiegt sein moralisches Ehrgefühl?
Die Volksbühne bringt mit dieser Produktion unter der Regie ihres Vorsitzenden Heinz August Möller eine enorme Phalanx an Amateur-Schauspielern auf die Bühne. Während die Hauptrollen natürlich von den Erwachsenen gespielt werden, sind besonders die elf kleineren Kinder hervorzuheben, die in der berühmten Tischszene für köstliche Unterhaltung sorgen. Allein die eindrucksvollen Namen sind belustigend: Es spielen Sam Michelson (Parsival), Dennis Loos (Wotan), Micheline Schwammborn (Fricka), Falk Engelhardt (Freyo), Thorsten Herbert (Faffner), Moritz Florschütz (Fasold), Alessia Cavallo (Oktavia), Anja Vollrath-Kühne (Nona), Tom Jacob (Decimus), Jago Grünwald (Lohengrin) und der niedliche Lukas Maynadier (Ultimo). In den Hauptrollen agieren Sinja Baier als Atlanta, Jürgen Fischer als Nägler, Christiane Loos als seine Frau, Thomas Bandy als Pastor und Uta Patzina als Madame de la Rocco.

„Lasst euch Zeit, wenn ihr dem Pastor die Hand schüttelt.“ Regisseur Heinz August Möller hat die Fäden während der Proben fest in der Hand. Dabei sind Ruhe und Disziplin natürlich Grundvoraussetzungen für eine effektive Arbeit. Zwischendurch hält Jamila Jennessen Kostüme an, probiert Schuhe aus und verteilt die Brillen an die Kinder, damit alles stilgerecht aussieht. (min)

„Das Haus in Montevideo“, gespielt von der Volksbühne Bad Homburg, feiert am kommenden Sonntag,
15 Uhr, Premiere im Kurtheater. Weitere Aufführungen gibt es am Dienstag und Mittwoch, 22. und 23. Mai; Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es bei Tourist Info+Service im Kurhaus, Telefon (0 61 72) 17 81 10, und an der Tages- beziehungsweise Abendkasse.

Das schrieb die Taunuszeitung am 22.5.2007:

Amüsanter Zwiespalt zwischen Geld und Moral

Bad Homburg. Viel Vergnügen und unbeschwerte Unterhaltung gab es bei der Premiere von „Das Haus in Montevideo“ im Kurtheater. Der Bad Homburger Volksbühne ist ein weiteres Mal eine grandiose Produktion gelungen, die sich zweifelsohne mit professionellen Ensembles messen kann. Unter der Regie von Heinz August Möller agierten die zahlreichen Protagonisten schwungvoll und mit leidenschaftlichem Engagement.

Professor Traugott Herrmann Nägler ist ein moralisch gefestigter Mensch. Als seine Schwester dereinst mit 17 Jahren ein uneheliches Kind erwartete, wurde sie auf sein Drängen hin aus der Familie verstoßen. Mit ihrem Tod nimmt die gute Josefine Rache an ihrem biederen Bruder. Sie vermacht ihrer Nichte Atlanta ein Vermögen, wenn „am Herde meines Bruders ein uneheliches Kind zur Welt kommt!“ Die Moral und das finanzielle Vergnügen streiten nun in der Brust des Vaters, so dass es zum Gleichnis eines Drei-Gang-Menüs kommt. Nägler befragt den Freund seiner Tochter, ob es nicht gleich sei, wo man beim Menü beginne. Schließlich lande alles im gleichen Magen. „Unverfroren wäre es allerdings, die Nachspeise zu genießen und die Suppe nicht zu heiraten!“Die Rollen in der Komödie von Curt Goetz waren wieder bestens besetzt und hätten nicht pointierter gezeichnet werden können. Jürgen Fischer als Professor Nägler war ein hervorragend gestrenger Familienvater, dessen moralische Grundsätze mehr und mehr ins Schwanken kommen. Ihm zur Seite agierte Thomas Bandy als Pastor, der den Professor immer wieder auf den Boden der Tatsachen bringt. Wunderbar naiv war Matthias Nitsch als angehender Bräutigam, der beim besten Willen nicht versteht, was sein künftiger Schwiegervater mit dem Menü-Gleichnis meint. Sinja Baier changierte sehr gekonnt zwischen heranwachsender Dame und unschuldigem Kind, Christiane Loos als Mutter der zwölfköpfigen Kinderschar hielt die Fäden des Haushalts fest in der Hand, Uta Patzina war eine höchst attraktive Madame de la Rocco, und Rainer Maria Ehrhardt als couragierter Rechtsanwalt hatte die dankbare Aufgabe, den Professor vom Inhalt des Testaments in Kenntnis zu setzen. Es ist bei einer solchen Produktion leider unmöglich, alle Schauspieler namentlich zu nennen. Da gab es die Kinder des Professors, die charmanten Damen im Haus in Montevideo, den Bürgermeister, die Haushälterin, den Briefträger . . . Alle gemeinsam boten eine herausragende Leistung, die höchstes Lob verdient hat. (min)

Die Volksbühne wiederholt „Das Haus in Montevideo“ heute und morgen jeweils um 20 Uhr im Kurtheater. Karten gibt es an der Abendkasse.
Das schrieb die "Homburger Woche" am 24. Mai 2007:
Es gab viel zu Lachen im "Haus von Montevideo"


Von Kathrin Staffel

Bad Homburg. Der Herr Professor Nägler (Jürgen Fischer) ist ein Moralapostel und Haustyrann. Der Lehrer für alte Sprachen zitiert gerne lateinische und griechische Sprüche, kann selbst am Familientisch das ,,Abhören" der Kinder nicht lassen und hat das Stöckchen stets griffbereit. Seine Familie schwimmt nicht gerade im Geld und muss sich bescheiden, nicht zuletzt deshalb, weil der Professor und seine Frau Marianne (ChristianeLoos) beim Nachwuchs nicht gespart haben. Inzwischen ist das Dutzend voll,
und als diese stattliche Kinderschar gleich am Anfang aufgereiht wie die Orgelpfeifen auf der Bühne Aufstellung nimmt und sich sodann an der riesigen Familientafel niederlässt,jubelt das Publikum im Kurtheater.
Die Zuschauer hatten bei dieser spritzigen Aufführung der Volksbühne ,,Das Haus in Montevideo" noch häufig Grund zum Lachen. Heinz August Möller hat diesen reizvollen Evergreen von Curt Goetz flott in Szene gesetzt und das große Ensemble sicher und mit vielen guten Einfällen gefüihrt. Vor allem der Herr Professor und seine Gattin hatten eine Menge Text zu bewältigen, doch bereits bei der ersten Aufftihrung am Sonntagnachmittag im fast voll besetzten Haus waren alle großenund kleinen Akteure sehr sicher und konzentriert bei der Sache. Ein fantasievollesBühnenbild war das Tüpfelchen auf dem i. Ständiger Gast im Haus ist der Herr Pfarrer (Thomas Bandy). Zwar geraten er und der Professor immer mal wieder aneinander, verstehen sich aber im Grunde sehr gut, und so darf der Geistliche mit nach Montevideo reisen, um die Erbschaft der verstorbenen Schwester des Professors zu begutachten. Diese hatte der moralinsaure Bruder aus dem Haus geworfen, als die junge Frau mit 17 Jahren ein uneheliches Kind bekam. Der gestrenge Bruder fürchtet nun mit Recht, dass die seiner ältesten Tochter Atlanta zugedachte Erbschaft, eine großzügige Villa mit Park in Montevideo, ein Racheakt der Verstoßenen sein könnte. In der Tat hat die Sache einen Haken, wie die Gäste vom geschäftigen Anwalt (Rainer Maria Ehrhardt) an Ort und Stelle erfahren. Das stattliche Anwesen, das die beiden Herren irrtümlich für ein Bordell halten, wird Atlanta (Sinja Baier) an ihrem 21. Geburtstag zwar zufallen, das riesige Barvermögen ist indes mit einem vertrackten,,Kläuselchen" verbunden: Es wird Professors nur zukommen, wenn binnen eines knappen Jahres ein weibliches Familienmitglied mit einem unehelichen Kind niederkommt. Nun ist guter Rat teuer und der ach so moralische Herr Professor gerät ganz schönin die Bredouille. Die Familie kann das Geld zwar gut gebrauchen,der ältesten, fast 17-jährigen Tochtervon wegen der Moral ein so unmoralisches Opfer aber nicht zumuten. Es trifft sich zwar gut, dass diese bereits einen Bräutigam hat (Matthias Nitsch). Leider hat dieser Herbert Kraft viel zu viel Angst vor dem Professor und keine Traute, ihn um AtlantasHand zu bitten. Aus Arrgst, die ,,reiche" Erbin zu verlieren, ist er ihr und den beiden Herren nach Montevideo nachgereist und seiner Liebsten auch zufällig im Hotel begegnet. Aus Sorge, Atlanta könne in der vermeintlichen ,,Freudenvilla" unter schlechten Einfluss geraten, hat sie der Vater im Hoteleinquartiert. ,,Passiert" ist in jener Nacht allerdings nichts und der Professor weiß nicht so recht, ob er darüber froh sein oder es bedauern soll. Es dauert eine Weile, bis die Gäste im Haus in Montevideo darüber aufgeklärt werden, dass die Schwester eine große Sängerin war, die den größten Teil ihres Vermögensdafür verwendet hat, jungen Frauen das gleiche Schicksal zu ersparen, wie es ihr widerfahren ist.
Wieder zu Hause, finden sich Professors damit ab, dass das große Erbeverloren ist, moralisch unterstützt vom Herrn Pfarrer. Aber ein Autor wie Curt Goetz hat auch zu guter Letzt noch einen Trumpf im Ärmel, diesmal in Form von 27 Zentimetern. Um die ist nämlich das Schiff ,,Atlanta" zu kurz, auf dem Professors einst getraut wurden und auf dem auch Tochter Atlanta und ihr Herbert den Bund fürs Leben schließen wollen. Nach neuerer Gesetzeslage ist das nicht mehr möglich, weil dem Schiff eben jene 27 Zentimeter an Länge fehlen. Damit nicht genug, auch alle bisherigen Eheschließungen sind ungültig, und so stehen Professors mit zwölf unehelichen Kindern da. Frau Marianne kann sich vor Lachen kaum halten: ,,Dass Dir das passieren muss!" ruft sie dem verdatterten, inzwischen aber etwas geläuterten Gatten zu.
Damit ist die Erbschaft gerettet und am Ende verbeugen sich alle Akteure artig vor dem begeisterten Publikum.Sie haben alle sehr gut gespielt, allen voran Professors, das junge Paar, der Herr Pfarrer, Ingrid Petry als Haushälterin Martha und Detlev Byns als Bürgermeister. Ein großes Lob verdient die Kinderschar mit ihren im Wortsinn ,,sagenhaften" Namen. Manche Jungakteure hätten anfangs über die Brille auf der Nase und die Klamotten von anno dazumal gemurrt, verriet Dagmar Möller, aber da es nur die Alternative gab, mitzuspielen oder die Rolle einem ,,Kollegen" aus der Jugendgruppe zu überlassen, blieben alle bei der Stange. Fest steht, bei diesem Reservoir an guten Akteuren aller Altersgruppenmuss es einem um die Zukunft der Volksbühne nicht bange sein.

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