Das schrieb die Presse über:
"Und ewig rauschen die Gelder"
Frankfurter Neue Presse / Taunus-Zeitung (Printausgabe vom 21.8.2007)
Das Sozialamt betrügen, das Publikum erfreuen



Bad Homburg. „Die Betonung musst Du auf den zweiten Teil des Satzes legen, sonst kommt die Zweideutigkeit nicht richtig herüber!“ Sylvia van Bentum greift immer wieder in die Szenen ein, korrigiert Gestik, Mimik und vor allen Dingen den sprachlichen Ausdruck. Die Protagonisten der Bad Homburger Volksbühne hören gern auf sie, denn mit der Komödie „Außer Kontrolle“ lieferte die Regisseurin im vergangenen Jahr ihr Meisterstück im Bad Homburger Kurtheater. Eine straffe Inszenierung, gewürzt mit viel Humor und spannungsvollen Effekten sorgte für einen gewaltigen Erfolg beim Regie-Debüt von Sylvia van Bentum. Kein Wunder, dass sie nun bei ihrer neuen Produktion nahezu auf das gleiche Ensemble zurückgreift. Die Crew ist mittlerweile ein eingespieltes Team, es braucht nicht mehr vieler Worte, um sich zu verstehen. Die Akteure wissen, was ihre Regisseurin will, und sie kann sich auf den schauspielerischen Einsatz ihrer Darsteller verlassen.Am Sonntag, 2. September, ist es soweit: Der Vorhang wird sich öffnen für die Komödie von Michael Cooney „Und ewig rauschen die Gelder“. Doch bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

„Geprobt wird teils im Vereinsheim in der Kirdorfer Straße, teils im Park-Hotel, zu dem wir dank Ingrid Petry einen sehr engen Kontakt haben“, freut sich Sylvia van Bentum über die Möglichkeit, ab und an einen größeren Raum als im Vereinsheim zur Verfügung zu haben. „Das Problem ist immer die Umstellung“, erläutert die begabte Regisseurin, denn die Bühne im Kurtheater ist natürlich viel größer als die Proberäume. „Da müssen die Schauspieler oft ziemlich improvisieren, um sich schon bei den Proben auf den großen Raum einzustellen“, erklärt sie, lobt aber noch im selben Atemzug das „ausgezeichnete Ensemble“.

Kurz zum Inhalt der neuen Produktion der Volksbühne: Eric Swan meint den Trick gefunden zu haben, dem Sozialamt zahlreiche Gelder abluchsen zu können, indem er viele hilfsbedürftige Personen erfindet, die Alters-, Invaliden-, Unfall- und Frührente, Schlechtwetter-, Kranken-, Wohn- und Kindergeld beanspruchen können. Doch eines Tages steht ein Vertreter des Sozialamtes vor der Tür und schon beginnen Verwechslungen und Verwirrungen, die für unbeschwerte Unterhaltung sorgen.

In der Hauptrolle agiert Rainer Kremin als Eric Swan. An seiner Seite stehen erfahrene Mitglieder der Bad Homburger Volksbühne: Jens Müller-Langerhans, Daniel Druschel, Barbara Becker, Detlev Byns, Louise Oppenländer, Thomas Bandy, Roland Schramm, Anna Altheim und Kerstin Grunwald.

Die Aufführungen der Komödie „Und ewig rauschen die Gelder“ sind am Sonntag, 2. September (Beginn um 15 Uhr), sowie am Dienstag, 4. September, und Mittwoch, 5. September (Beginn jeweils um 20 Uhr) im Kurtheater. Karten gibt es bei Tourist Info + Service im Kurhaus, Telefon (0 61 72) 17 81 10, sowie an der Tages- beziehungsweise Abendkasse. (min)
Das schrieb die Taunuszeitung am 4.9.2007:
Printausgabe vom 04.09.2007
Gezielte Angriffe auf das Zwerchfell

Von Michael Jacob

Bad Homburg. Eigentlich war alles zunächst nur ein Zufall – bis aus der Angelegenheit dann schließlich doch bitterer Ernst wurde. In der neuen Produktion der Bad Homburger Volksbühne, „Und ewig rauschen die Gelder“ von Michael Cooney, darf mitunter hemmungslos gelacht werden. Denn nicht nur das Stück bietet aufgrund seiner skurrilen Handlung zahlreiche Angriffe auf das Zwerchfell.

In der Inszenierung von Sylvia van Bentum werden die Protagonisten brillant in Szene gesetzt und demonstrieren ihre herausragenden Fähigkeiten auf grandiose Art und Weise. Auch in ihrer bislang zweiten Regie ist es van Bentum gelungen, den Handlungsstrang straff und präzise zu ziehen, den Humor gezielt und wohl dosiert einzuflechten sowie die darstellerischen Fähigkeiten der Akteure pointiert einzusetzen.

Zur Geschichte: Obwohl Eric Swans Untermieter ausgezogen ist, flattern immer noch Schecks des Sozialamtes zur finanziellen Unterstützung des ehemaligen Mitbewohners in den Briefkasten. Eric Swan kann sich in Folge vor Anträgen kaum noch retten, die er mit einer bewussten Wahrheitsreduzierung beantwortet. Und so erstattet das Amt weiter Unterstützung für die Wohnung, die Arbeitslosigkeit und die diversen Kinder des längst Verzogenen. Swan hat Blut geleckt und entwickelt die Idee, auch noch andere „Untermieter“ mit finanziellen Notlagen zu erfinden. So weit, so gut. Doch eines Tages steht der Prüfer des Sozialamtes in der Tür, um einige Unterschriften einzuholen. Nun beginnt der turbulente Verlauf der Komödie, denn Swan gibt sich als sein ehemaliger Untermieter aus, sein jetziger muss in die Rolle Swans schlüpfen, weiß jedoch nicht, dass dieser ihn am Morgen per Telefon für tot erklärt hat. Kann Onkel George helfen, der aus dem Krankenhaus die notwendigen Rezepte und Gutachten besorgte und somit ein Verbündeter ist? Doch er erleidet einen Schwächeanfall und wird seinerseits für tot gehalten.

Es ist ein köstliches Vergnügen für die Zuschauer, das Spiel der Volksbühne mitzuverfolgen. Exzellent agieren in den Hauptrollen Rainer Kremin als Eric Swan und Jens Müller-Langerhans als Untermieter Norman Bassett. Ihre Dialoge sind von niederschmetternder Komik und bilden den roten Faden der Handlung. Mit stoischer Gelassenheit agiert Daniel Druschel als Sozialarbeiter. Barbara Becker spielt die wunderbar hysterische Ehefrau Linda. Detlev Byns als Onkel George weiß meist selbst nicht, wer er nun eigentlich sein soll. Louise Oppenländer will als Gemeindeschwester Trost spenden, während Thomas Bandy versucht, als Eheberater Ruhe in die Ehe der Swans zu bringen. Roland Schramm, Anna Altheim und Kerstin Grunwald runden ein vorzügliches Ensemble ab, das in der neuen Inszenierung restlos begeistert. Ein wahres Schauspielvergnügen.

Die Aufführung wird heute und morgen jeweils um 20 Uhr im Kurtheater wiederholt. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

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