Von Michael Jacob
Bad Homburg. Ein köstliches Vergnügen erwartet die Zuschauer bei der neuen Produktion der Bad Homburger Volksbühne, die am Sonntag Premiere feierte. Mit der Komödie „Der Neurosenkavalier“ ist den Amateur-Schauspielern wieder einmal ein ganz großer Wurf gelungen.
Allen voran steht hr-Kult-Moderator Rainer Maria Ehrhardt in der Rolle eines vermeintlichen Psychologen, der zwei Stunden lang nicht nur zwischen lauter Kranken balanciert, sondern auch noch den Schein wahren muss, um nicht sein wirkliches Ich zu entlarven. Unter der Regie von Hans Dieter Asner gelang eine vorzügliche Produktion, die nicht nur wegen der vielen Anspielungen auf Bad Homburg, sondern auch wegen des gekonnten Auftritts von Elvis Presley vielfachen Szenenapplaus erntete.
Auf der Flucht vor seinen Verfolgern gerät der „Weihnachtsmann von Karstadt“ mit einem Koffer geklauten Geldes in die Praxis eines Psychotherapeuten. Dort wird allerdings die Vertretung des abwesenden Arztes erwartet, und so schlüpft der kleine Dieb Felix Bollmann mir nichts, dir nichts in die Rolle des Mediziners. Alles läuft wie am Schnürchen, denn bekanntlich liegen Normalität und Wahnsinn sehr eng beieinander. Es kommt zu zahlreichen Verwicklungen, der ermittelnde Polizeikommissar entpuppt sich ebenfalls als Patient und sucht nebenbei verzweifelt nach dem raubenden Weihnachtsmann. Dann verschwindet auch noch der Koffer mit dem Geld, weil sich zu allem Überfluss auch eine Kleptomanin unter den Patienten befindet, und schließlich taucht auch noch die wirkliche Vertretung auf.
Verwirrung, Heiterkeit und Amüsement pur das garantiert die neue Volksbühnen-Produktion. Für zusätzliche Heiterkeit sorgen die Dessous eines (namentlich genannten) Bad Homburger Geschäfts sowie Anspielungen auf das jüngst verhängte Rauchverbot, das Deutsche Äppelwoi Theater und ein wohlbekanntes Café in der unteren Louisenstraße und nicht zu vergessen: ein grandioses Elvis-Kostüm.
Ehrhardt brilliert in der Rolle des Felix Bollmann. Er überzeichnet nicht, sondern setzt in kleinen Gesten und verbalen Varianten Akzente. Uta Patzina mimt eine wunderbar neurotische Sex-Autorin in besagten extravaganten Dessous, Ingrid Hamer hält am Ende souverän die Fäden des Geschehens in der Hand, Andrea Berty ist eine charmante und attraktive Sprechstundenhilfe, Lothar Striffler überzeugt als vermeintlicher Bruder des „Arzt-Diebes“, Norbert Nasse macht als Kommissar keinen Hehl daraus, dass man diesen Dienstgrad nur auf Grund von Dienstjahren und nicht wegen erbrachter Leistung erhält und Roy Kullmann schließlich bringt mit seinen Elvis-Songs den Saal zum Beben. Eine Produktion, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Eine weitere Aufführung beginnt morgen um 20 Uhr im Kurtheater. Karten gibt es an der Abendkasse.