Der umgarnte Junggeselle
Von Michael Jacob
Bad Homburg. Regisseur Heinz August Möller spannt mit seinem Vorwort zur neuen Produktion der Volksbühne die Zuschauer wahrlich auf die Folter: «Wie löst man solch einen Beziehungsknoten? Ganz einfach, indem man dem Schicksal seinen Lauf lässt!» Bei der Premiere am Sonntag im voll besetzten Kurtheater amüsierte sich das Publikum jedenfalls köstlich. In der Komödie «Zweite Geige» von Curth Flatow kommt es zu herrlichen Verwicklungen, die von den Protagonisten der Volksbühne brillant umgesetzt werden.
Im Orchester spielt Felix Rombach zwar nur die zweite Geige, im Leben aber die erste. Als eingefleischter Junggeselle umschwirren ihn die Damen wie die Motten das Licht. Besonders die Ballett-Mädchen sind da, um ihn zu verwöhnen wenn sie nicht gerade Urlaub haben. Umgarnt wird er auch von seiner Haushälterin, die allerdings für bestimmte Stunden weniger in Frage kommt. Da wendet er sich lieber an die jungen Damen, bis Christa auftaucht, mit der er vor 30 Jahren eine Beziehung hatte. Will sie dort wieder anknüpfen? «Du liebst mich doch immer noch, schließlich hast du mir zu unserem Jahrestag immer eine Rose geschickt bis auf zwei Mal!»
Verwirrend, denn Rombach ist sich dieser Liebesbeweise nicht bewusst. Dann taucht auch noch Christas Tochter Sylvie auf, die schon nach zehn Minuten unmissverständlich zu verstehen gibt, was sie von Felix begehrt. «Aber du könntest meine Tochter sein!», wehrt sich der umschwärmte Geiger. Wie sich die Knoten lösen, sei hier nicht verraten, schließlich kann man die Komödie noch im Kurtheater besuchen.
Heinz August Möller gelang es wieder einmal, die Charaktere sehr pointiert zu zeichnen. Nahezu allgegenwärtig ist Michael Richter als zweiter Geiger. Er nuanciert sehr gekonnt zwischen weltmännischem Gehabe und kleinlauter Zurückhaltung. Mit köstlich hessischem Zungenschlag erfüllt Anna Altheim in der Rolle der Haushälterin ihm jeden Wunsch und schenkt ihm sein Ohr, wenn er von seinen amourösen Abenteuern berichtet.
Ingrid Hamer will es als Christa noch einmal wissen und versprüht all ihren Charme, um den ehemals Geliebten zurückzugewinnen. Daran kann auch Rainer Maria Ehrhardt als ihr verlassener Ehemann nichts ändern. Oder doch? Mit erotischem Charme becirct Louise Oppenländer den Musiker, denn schließlich ist es «Liebe auf den ersten Blick!» Dass sie mit Knud (Niklas Marxen) verlobt ist, hindert sie ebenso wenig daran, sich auf Amors Pfaden zu bewegen, wie der BH, der im Geigenkasten zum Vorschein kommt. Schließlich rundet Julia Lutz als kokette Tänzerin ein Ensemble ab, das von der ersten bis zur letzten Minute überzeugte.
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