Ein Mann, in den sich keine Frau verlieben kann
von Michael Jacob
Die neue Produktion der Bad Homburger Volksbühne ist ein hinreißender Erfolg auch für das anspruchsvolle Publikum gibt’s deshalb ein Happy-End.
Bad Homburg. Man mag als Rezensent im Grunde gar nicht so gern über die Produktionen der Volksbühne schreiben. Denn es drängen sich häufig Superlative auf, die für eine Amateurbühne wahrlich ungewöhnlich sind. Immer wieder denkt man «Besser geht es kaum» und dann setzen die Protagonisten noch eins drauf.
Mit «Zurück zum Happy-End» von Frank Pinkus ist ein Meisterwerk gelungen, das einer herausragenden Regie und drei sensationell agierenden Schauspielern zu verdanken ist.
Alles beginnt mit dem Happy-End, denn in zwei Stunden wollen Manfred und Tina den Bund der Ehe schließen. Doch zuvor lassen sie ihre Liebesgeschichte Revue passieren, wobei beide offenbar gänzlich andere Erinnerungen an die ersten Begegnungen haben. Ob beim Joggen, dem Beinahe-Autounfall oder dem ersten gemeinsamen Essen im italienischen Restaurant die erzählten Versionen klaffen meilenweit auseinander. Und dann gibt es noch die Version, die Manfred seiner allgegenwärtigen Mutter erzählt hat: Ein Held stürzt sich mit stürmischer Leidenschaft auf die charmante Studentin.
Allerdings entpuppt sich der männliche Protagonist als schüchterner und prüder Beamter, der so gar nichts mit dem weiblichen Geschlecht anzufangen weiß. In einem sind sich die beiden kurz vor der Trauung einig: Wie ihre Flitterwochen mit dem Besuch des Empire State Building verlaufen sollen. Mehr sei nicht verraten.
Regisseur Rainer Maria Ehrhardt zog schon bei der Technik alle Register. Das dezente Bühnenbild wurde von Szene zu Szene durch großartige Fotografien auf der Rückwand ergänzt. Die Darsteller sprachen mit Headsets und konnten dadurch leise Nuancen herüberbringen, ohne die Stimmen zu strapazieren.
Das Schauspieler-Team ist von überragender Qualität. Ingrid Petry, ein Urgestein der Volksbühne (seit 48 Jahren aktiv tätig), mimt die Über-Mutter und stellt sich zunächst dem frisch verliebten Paar immer in die Quere. Charmant und mit unendlicher Geduld erträgt Stefanie Mau die schrulligen Angewohnheiten ihres Freundes. Und Olaf Pessler schießt in dieser Aufführung den Vogel ab! Er ist einerseits taffer Bräutigam, der natürlich in jeder Phase des Kennenlernens alle Fäden in seiner starken Hand hält, andererseits der liebenswerte Trottel, in den sich eigentlich keine Frau wirklich verlieben kann. Sein tumbes Lachen, sein unbeholfenes Gestotter und seine Gestik sind ein wahrer Segen für die Theaterbühne. Davon könnten sich manche hoch bezahlte Profis eine dicke Scheibe abschneiden.
Ein zweistündiges köstliches Vergnügen von extrem hoher schauspielerischer Qualität in einer brillanten Regie von Rainer Maria Ehrhardt.
Niemand braucht nun in tiefe Trauer zu verfallen, weil er die Premiere versäumt hat: Wiederholt wird das Stück am heutigen Dienstag und am Mittwoch jeweils um 20 Uhr im Kurtheater. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.
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