Das schrieb die Presse über:
Zurück zum Happyend

Die Frankfurter Rundschau schrieb am 6.11.2009:

Volksbühne Bad Homburg

Regisseur mit Stimme

Von Olaf Velte

Die berühmte Stimme wird während der Aufführung nicht zu hören sein. Ihr Eigentümer überlässt die Bühne anderen Sprechern, die allerdings auch landesweit bekannt sind. Stefanie Mau und Olaf Pessler, die Hauptdarsteller der neuen Volksbühnen-Produktion, sind seit 20 Jahren für das ZDF tätig. "Die können mit der Stimme richtig gut umgehen", sagt Rainer Maria Ehrhardt, dem das berühmte Organ gehört und der zum dritten Mal Regie führt. Das Stück heißt "Zurück zum Happyend", eine Komödie von Frank Pinkus.

Der 1948 geborene Ehrhardt, seit zwei Jahren die "Stimme von Persil", war bereits zwischen 1971 und 1984 Mitglied des ältesten Homburger Theatervereins. Danach forderten Beruf und Familie die gesamte Schaffenskraft. Vor vier Jahren hat sich die Bühnenleidenschaft wieder Bahn gebrochen - seither konnte man den Mann mit der tiefen Stimme in neun verschiedenen Rollen erleben. Als Regisseur schlägt er neue Wege ein. In dem zweistündigen Lustspiel wird auf die Zurschaustellung eines "klassischen Wohnzimmers" verzichtet.

Schwierige Schwiegermutter

Die sieben Schauplätze, an denen sich die Geschichte eines Brautpaares abspielt, sollen von Bildprospekten markiert werden, die in die jeweiligen Szenen einschweben. Am Ende erscheint die Örtlichkeit auf dem Empire State Building als Video-Einspielung. Neben dem "Liebespaar" Mau und Pessler agiert das Volksbühnen-Urgestein Ingrid Petry als schwierige Schwiegermutter. 7500 Euro Produktionskosten sind für die Realisierung dieser "Entwicklungsgeschichte eines künftigen Ehemanns" veranschlagt. Immer wieder stelle sich die Frage, was zu spielen sei, sagt der gebürtige Bad Homburger Ehrhardt. "Ich mache immer Komödien, das fällt mir leicht." Ihn reizt die Probenarbeit, die schließlich in der Live-Präsentation endet: "Der Weg ist das Ziel." In zwei Jahren möchte der Besitzer eines Ton- und Videostudios ein Musical präsentieren. Die Vorbereitungen zu "Little Shop of Horrors" laufen schon.

Zu Beginn seiner Karriere stand die Musik: Mit seiner Funky Family landete Rainer Maria Ehrhardt zu Beginn der 70er Jahre den Diskotheken-Hit "Bump the bump". Vor kurzem hat sein ältester Sohn die französischen Dance-Charts mit einem selbstproduzierten Track gestürmt. In dem Friedrichsdorfer Wohnhaus befinden sich alle Gerätschaften, die der ehemalige HR-Sprecher für die Umsetzung seiner kreativen Ideen braucht. Seit einigen Jahren arbeitet er als freier Moderator und produziert Werbung. Seine Internet-Vermittlung WorldWideVoices hält Kontakt zu 1400 Sprechern in aller Welt. Dass sich der Mann mit der berühmten Stimme auch um die Marketing-Belange der Volksbühne kümmert, erscheint da selbstverständlich.
Termin

Premiere der Volksbühne ist am Sonntag, 15 Uhr, im Kurtheater. Weitere Aufführungen sind am kommenden Dienstag und Mittwoch, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es bei Tourist Info im Kurhaus, Telefon 06172/178110.
Das schrieb die Taunuszeitung am 10.11.2009:

Ein Mann, in den sich keine Frau verlieben kann

von Michael Jacob

Die neue Produktion der Bad Homburger Volksbühne ist ein hinreißender Erfolg – auch für das anspruchsvolle Publikum gibt’s deshalb ein Happy-End.

Bad Homburg. Man mag als Rezensent im Grunde gar nicht so gern über die Produktionen der Volksbühne schreiben. Denn es drängen sich häufig Superlative auf, die für eine Amateurbühne wahrlich ungewöhnlich sind. Immer wieder denkt man «Besser geht es kaum» – und dann setzen die Protagonisten noch eins drauf.

Mit «Zurück zum Happy-End» von Frank Pinkus ist ein Meisterwerk gelungen, das einer herausragenden Regie und drei sensationell agierenden Schauspielern zu verdanken ist.

Alles beginnt mit dem Happy-End, denn in zwei Stunden wollen Manfred und Tina den Bund der Ehe schließen. Doch zuvor lassen sie ihre Liebesgeschichte Revue passieren, wobei beide offenbar gänzlich andere Erinnerungen an die ersten Begegnungen haben. Ob beim Joggen, dem Beinahe-Autounfall oder dem ersten gemeinsamen Essen im italienischen Restaurant – die erzählten Versionen klaffen meilenweit auseinander. Und dann gibt es noch die Version, die Manfred seiner allgegenwärtigen Mutter erzählt hat: Ein Held stürzt sich mit stürmischer Leidenschaft auf die charmante Studentin.

Allerdings entpuppt sich der männliche Protagonist als schüchterner und prüder Beamter, der so gar nichts mit dem weiblichen Geschlecht anzufangen weiß. In einem sind sich die beiden kurz vor der Trauung einig: Wie ihre Flitterwochen mit dem Besuch des Empire State Building verlaufen sollen. Mehr sei nicht verraten.

Regisseur Rainer Maria Ehrhardt zog schon bei der Technik alle Register. Das dezente Bühnenbild wurde von Szene zu Szene durch großartige Fotografien auf der Rückwand ergänzt. Die Darsteller sprachen mit Headsets und konnten dadurch leise Nuancen herüberbringen, ohne die Stimmen zu strapazieren.

Das Schauspieler-Team ist von überragender Qualität. Ingrid Petry, ein Urgestein der Volksbühne (seit 48 Jahren aktiv tätig), mimt die Über-Mutter und stellt sich zunächst dem frisch verliebten Paar immer in die Quere. Charmant und mit unendlicher Geduld erträgt Stefanie Mau die schrulligen Angewohnheiten ihres Freundes. Und Olaf Pessler schießt in dieser Aufführung den Vogel ab! Er ist einerseits taffer Bräutigam, der natürlich in jeder Phase des Kennenlernens alle Fäden in seiner starken Hand hält, andererseits der liebenswerte Trottel, in den sich eigentlich keine Frau wirklich verlieben kann. Sein tumbes Lachen, sein unbeholfenes Gestotter und seine Gestik sind ein wahrer Segen für die Theaterbühne. Davon könnten sich manche hoch bezahlte Profis eine dicke Scheibe abschneiden.

Ein zweistündiges köstliches Vergnügen von extrem hoher schauspielerischer Qualität in einer brillanten Regie von Rainer Maria Ehrhardt.

Niemand braucht nun in tiefe Trauer zu verfallen, weil er die Premiere versäumt hat: Wiederholt wird das Stück am heutigen Dienstag und am Mittwoch jeweils um 20 Uhr im Kurtheater. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

Das schrieb die "Homburger Woche" am 19.11.09

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